
Ron Westerweel ist ein niederländischer Maler aus Goes in Zeeland, dessen Schaffen von realistischen Landschafts- und Stadtansichten über zeelandtypische Wasser- und Küstenmalerei bis hin zur Porträtmalerei reicht und zudem einen surrealistischen und mythologischen Erzählstrang umfasst, der die konzeptionell gewagteste Dimension seines Werks darstellt. Sein realistisches und teilweise surrealistisches Werk zeichnet sich durch Vielfalt, Farbfülle, Themenwahl, Charakter und Atmosphäre aus, wobei die Technik auf das Thema abgestimmt ist – und, wo immer möglich, mit Humor und einer Geschichte. Diese letzte Eigenschaft – die Geschichte und der Humor – ist es, was dieses Schaffen von bloßer technischer Fertigkeit unterscheidet. Westerweel fragt immer wieder, wozu ein Gemälde dient, und seine Antwort lautet stets, dass es Bedeutung transportieren und eine Bindung herstellen sollte, die über das rein Visuelle hinausgeht.
Zu den von ihm verwendeten Materialien zählen Acrylfarbe, wasserverdünnbare Ölfarbe, Aquarellfarbe, PanPastel und Pastellkreide sowie Kohle. Diese Vielfalt ist nicht nur pragmatisch, sondern strategisch: Jedes Medium verfügt über Eigenschaften, die bestimmte Motive erfordern. Die in Aquarelltechnik dargestellten Landschaftsbilder aus Zeeland profitieren von der Transparenz und Leuchtkraft, die sich mit Ölfarbe nur schwer erzielen lassen – die Art und Weise, wie sich Wasser in diesem Medium verhält, spiegelt wider, wie sich das Licht tatsächlich über die Schelde und die Oosterschelde bewegt. Die Ölgemälde, die die größeren Leinwände dominieren, vermitteln Tiefe und atmosphärische Dichte auf eine Weise, wie es wasserbasierte Medien nicht vermögen. Die PanPastel-Arbeiten bringen eine pudrige Weichheit ein, die sich für Nahaufnahmen von Naturmotiven eignet, bei denen Textur und Farbton wichtiger sind als scharfe Konturen.
Die Zeeland-Gemälde bilden den regional am stärksten verankerten Teil des Schaffens und stehen in unmittelbarem Dialog mit der langen niederländischen Tradition der Darstellung von Wasserwegen, Küsten und dem Licht der Niederlande. Die typischen zeeländischen Wellenbrecher existieren seit 500 Jahren und gehören zum kulturellen Erbe – sie dämpfen die Kraft von Wellen und Gezeiten und schützen den Strand. Eine kleine Bucht der Oosterschelde mit einem Pier im Dorf Kats, das in der Vergangenheit bereits zweimal unter den Wellen verschwunden ist. Ein versandeter Abschnitt der Westerschelde mit alten Anlegepfählen, in der Ferne Schiffswracks. Dies sind Motive, die neben ihren visuellen Qualitäten auch historisches Gewicht tragen, und Westerweel behandelt beides ohne Sentimentalität. Das Licht in diesen Werken ist spezifisch für die Deltaregion – die besondere Leuchtkraft des offenen Wassers unter dem weiten Himmel Zeelands, die Art und Weise, wie die Wolkendecke das Licht streut und abflacht, während sie dennoch gerichtete Schatten auf den Wasserflächen der Gezeiten hinterlässt.
Die Natur- und Landschaftsbilder reichen über Zeeland hinaus in ein geografisch weitaus größeres Feld: Madeiras üppige Vegetation, die mondähnliche Dünenlandschaft von Gran Canaria, ein brabantischer Bauernhof, das Feuchtgebiet des Biesbosch, ein burgundisches Dorf, die andalusische Küste nach einem Sturm. Was dieses vielfältige Material zusammenhält, ist nicht die Geografie, sondern die Qualität der Aufmerksamkeit. 'Hommel in Madereise geranium' – eine Hummel zwischen maderinischen Geranien – wird so beschrieben, dass man das Gefühl hat, das weiche Fell des Insekts berühren zu können. Diese taktile Ambition ist charakteristisch: Westerweel strebt konsequent nach der spezifischen sinnlichen Qualität seiner Motive und nicht nach ihrem allgemeinen visuellen Eindruck.
Auch die Arbeiten zum Stadt- und Ortsbild zeugen von derselben unkonventionellen Neugier. Das Gemälde der 'Mezquita' in Córdoba ist nicht bloß eine architektonische Dokumentation, sondern eine Auseinandersetzung mit der vielschichtigen Geschichte des Gebäudes – römischer Tempel, westgotische Kirche, Moschee, Kathedrale – und dessen Bedeutung für M. C. Eschers Faszination für die maurischen geometrischen Muster, die er dort vorfand. 'Zon-Masker' (Pantheon) entsteht durch das Spiel des Lichts, das durch das Oculus des Pantheons auf die Kassettendecke fällt; die daraus resultierende Form lässt sich als etwas zwischen einer Katze und einer Alien-Maske lesen. 'Verdienmodel' (Trier) konfrontiert eine Bettlerin auf dem Hauptplatz der prosperierenden antiken Stadt, während die Einkaufenden ihre Anwesenheit völlig ignorieren. Dies sind keine Touristenpostkarten, sondern aktives visuelles Nachdenken darüber, was bestimmte Orte bedeuten und wie sie auf die Menschen wirken, die sie bewohnen. In den surrealistischen Arbeiten kommt der narrative Anspruch am stärksten zum Ausdruck.
In 'Meta' verflechten sich klassische Architektur und menschliche Emotionen – eine Frau verwandelt sich aus Stein in Fleisch und Blut und starrt voller Staunen auf ihre verkörperte Hand. Das Werk enthält Elemente sowohl der griechischen Mythologie um Pygmalion als auch der endlosen Treppe des niederländischen Grafikers Escher. 'Kwetsbaar 'versetzt eine besorgte nackte Frau und ihr verängstigtes Kind in ein römisches Badehaus; der Engel, der sie beobachtet, hält einen Hammer in der Hand, der sowohl bauen als auch zerstören könnte. 'Europa en de witte stier' zeigt die phönizische Prinzessin und die Mädchen an ihrem Strand, die nicht wussten, was über ihren Köpfen schwebte – und wählt den Moment der Unschuld, bevor Zeus sich offenbart, im Gegensatz zu Rubens und Rembrandt, die einen späteren Moment darstellten. Diese letzte Beobachtung ist aufschlussreich. Westerweel ist ein Maler, der liest, der seine Kunstgeschichte kennt und der bewusste kompositorische Entscheidungen darüber trifft, welchen Moment innerhalb einer bekannten Erzählung er einnehmen will – und warum. Die Wahl der Unschuld gegenüber der Verletzung, des Bevorstehenden gegenüber dem Geschehenen, ist eine ethische wie auch ästhetische Entscheidung. Sie versetzt den Betrachter in die Position des Wissens, das die Figuren auf der Leinwand noch nicht teilen, und fragt, wozu uns dieses Wissen verpflichtet.
Despina Tunberg Kuratorin
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